Mission Blumenkoffer: Kunstpflanzen Produktion

Der letzter Stop unserer großen Mission: Blumenkoffer endet mit dem Produktionsprozess in den Kunstpflanzen – Fabriken. Wie viel Handarbeit steckt dahinter? Was ist alles möglich? Wie groß ist die Farbpalette? Muss wirklich jede Blüte einzeln gepresst werden? …

Die meisten künstlichen Pflanzen auf dem europäischen Markt werden in China in Handarbeit gefertigt. „Made in China“ hat leider ein schlechtes und dazu oft ungerechtfertigtes Image. Zu unrecht wird es meistens mit schlechter Qualität und Billigwaren verbunden. Doch in Wahrheit arbeiten in den Fabriken meist spezialisierte Arbeiter mit viel Erfahrung, die jeden Handgriff im Schlaf beherrschen. Da hier fast jeder Schritt handarbeitlich durchgeführt wird, können auch individuelle Wünsche ausgeführt werden. Im Thema Flexibilität und Fachwissen bei Kunstpflanzen ist China also ganz weit vorne dabei.

Wir können uns kaum vorstellen, wie lange es dauert, bis die fertig bemalte und zusammengesetzte Kunstpflanze verpackt wird und zum Verschiffen bereit ist. Um den Prozess der Herstellung nicht in die Länge zu ziehen, herrscht in den Fabriken Arbeitsteilung, wodurch jeder Arbeiter auf seine Arbeitsschritte spezialisiert ist. Durch diese Spezialisierung wird die Herstellung optimiert. Gleichzeitig bleibt sowohl bei Textilblumen als auch bei Kunststoffpflanzen das Aussehen gleich. So sieht nicht jede Orchideenblüte komplett unterschiedlich aus. Um zu verhindern, dass eintönige Arbeit entsteht, wechseln die Mitarbeiter zwischen 2-3 Stationen. Damit ihr euch ein besseres Bild von der Herstellung machen könnt, wollen wir euch hier einfach mal zeigen, wie Kunstpflanzen hergestellt und gestaltet werden.

Alles beginnt mit Kunststoffgranulaten, die je nach Farbwunsch eingefärbt werden können. Wenn wir uns also rote Tannenzweige haben wollten, könnte das Granulat hier rot eingefärbt werden.

Wenn die Granulate mit der Wunschfarbe gemischt sind, kann die Produktion gestartet werden. Unter großer Hitze können nun alle Kunststoffteile einer Kunstpflanze in großen Pressen hergestellt werden. Für Farbvariationen, kann zum gefärbten Granulat auch direkt in der Maschine noch ein anders farbiges Granulat zugemischt werden. Künstliche Tannenzweige, Kunststoffblätter für den Buchbaum oder Blumenstängel für Seidenblumen – hier wird also das Grundgerüst der Pflanzen hergestellt. Manchmal müssen Einzelteile wie Stamm und Äste noch zusammengesteckt werden, aber danach kann es weiter gehen.

Gleichzeitig wird an einer weiteren Maschine gearbeitet. Für die Seidenblüten werden lange weiße Stoffbahnen durch eine riesige Stanze gezogen. Der Stempel stanzt, je nach eingelegter Schablone, die Blütenblätter aus. Diese werden dann sortiert und zusammengelegt. Die noch weißen Blüten sind jetzt fertig für den nächsten Produktionsschritt.

Die weißen Stoffblüten werden gefärbt und müssen anschließend per Hand bemalt werden. Blütenmuster können und dürfen deshalb variieren. Somit ist jede Blüte ein Unikat. Wenn die Farbe getrocknet ist, werden die künstlichen Blüten nun in die richtige Form gepresst. Dafür gibt es wieder eine neue Presse, die mit unterschiedlichen Schablonen bestückt wird. Hier wird tatsächlich noch jede Stoffblume einzeln gepresst.

Beim letzten Arbeitsschritt können nun die Kunststoffteile mit den Stoffblüten verbunden werden. Vieles wird einfach nur zusammen gesteckt und anderes wiederum mit Heißkleber verklebt.

Täglich entstehen in den Fabriken neue Kunstpflanzen, die dann in die ganze Welt getragen werden. In der Produktion gilt die gleiche Devise wie in den Showrooms: Die Nadel im Heuhaufen zu finden, die genau auf unsere Anforderungen zugeschnitten ist. In den meisten Fabriken sind die Arbeitsbedingungen lange nicht mehr wie früher. China entwickelt sich permanent weiter. Die ehemals zweifelhafte Arbeitsbedingungen und die Einhaltung sozialer Standards werden stärker überwacht. Nicht nur der Staat, sondern auch Lieferanten werden durch öffentlichen Druck gezwungen einen genaueren Blick auf die Fabriken zu werfen. Leider gibt es wie immer auch hier schwarze Schafe, die sich weder um ihre Arbeiter, noch die gleichbleibende Qualität ihrer Produkte kümmern. Doch dies wird teils durch den Konsumenten provoziert. Denn wir als Endverbraucher freuen uns, ein Schnäppchen schlagen zu können, vergessen aber leider oft, dass dieser kleinen Preis meistens den Lohn eines Arbeiters widerspiegelt. Andersherum sollte man sich auch nicht über jede Preiserhöhung ärgern, denn diese kann einen höheren Lebensstandard für eine Arbeiterfamilie bedeuten.

Unser Resümee über die vergangenen Wochen in Asien? Asien ist anders! Aber alles, was anders ist, muss nicht gleich schlecht sein (Auch wenn auf dieser Reise die Atemluft schlecht für die Lungen war :) ). Trotzdem ist es sehr wichtig mal über den Tellerrand hinwegzuschauen. Hier war das Meiste für uns etwas ungewohnt. :) Begonnen bei Religion und Kultur bis hin zu ungewohntem Essen, Menschenmengen und unterschiedlichen Arbeitsbedingungen. Doch es ist egal, wie unterschiedlich Kulturen und Denkweisen sein mögen. Eins haben Menschen in Asien und Europa gemeinsam: Wir lieben es unser Zuhause durch Blumen und Pflanzen zu verschönern. Und genau in dieses werden wir uns jetzt, erschöpft vom langen Flug, zurückziehen und nochmal alle Eindrücke der Reise Revue passieren lassen.
